Sarajewo

Nun erstmal die Auflösung von gestern. Das Baklava war für mich ungenießbar süß und Uli hat tatsächlich geschafft ein paar mehr Bissen zu essen. Gratulation Uli!

Ziemlich früh erwachten wir und gingen zur Ausnahme mal in den Frühstücksraum. Zuvor hatten wir das Frühstück in der Eigenversorgung und so freuten wir uns auf diesen neuen Luxus. Wir waren fast die einzigen Gäste ohne Kopftuch und beobachteten heute besonders die verschiedenen Arten die Kopftücher zu tragen sowie die „Familienkonstruktionen“. 3 Frauen, 1 frecher Junge und ein Mann – teilten sich ohne Kommunikation einen Tisch, ein paar europäische Pärchen (die für uns langweilig waren) und von besonderen Interesse waren die Frauen mit den Niqabs (Vollverschleierung mit Augenloch). Bevor es ans Essen ging, saß ein kleiner Junge neben seiner Mutter und plötzlich tauschte der Junge mit dem Vater sein Platz, damit der starke mächtige Herr Gebieter seine Frau für bösen Blicken abschirmte. Dann schob die Frau ihr Gesicht frei und aß! Ich verrate euch was: Der Mann hat seinen Job nicht gut gemacht, denn wir haben das Gesicht trotzdem gesehen, ha! Naja, ich muss schon sagen, dass man sieht, dass Sarajewo besonders beliebt bei Arabern ist. So viele Niquab-Frauen auf einen Haufen sieht man nichtmal in Berlin Neuköln. Die Männer oder deren Übersetzern sind dauern mit Hotel-oder Restaurantangestellten am diskutieren, echt unsympatisch! Ich erinnere mich noch an meinem ersten Job in in einem Münchner Krankenhaus bei einem geldgierigen Professor, der liebend gerne Araber behandelte, um privat Geld abzukassieren. Die Übersetzer standen dauern im Chefarztsekretariat, um mir auf den Keks zu gehen und nach der Behandlung musste ich direkt mit denen zur Kasse rennen, damit sie nicht die Zeche prellen, was sie liebend gerne gemacht haben. Hier an Ort und Stelle sammle ich keine gegenteiligen Erfahrungen. Lustig sehen die Frauen aber mit Sonnenbrillen aus. Fotos habe ich aber lieber nicht gemacht, weil ich nicht verprügelt werden wollte.

Unser erster Marsch ging ins Barscarsija (ins älteste Viertel Sarajewos, was ein Marktplatz ist). Hier lösten wir direkt Ulis Wunsch ein einen typisch bosnischen Kaffee zu trinken. 

Haben wir gemacht aber ich als Fan vom griechischen Mokka fand ihn eher langweilig aber die Servierweise war schon cool. Danach gingen wir an einer Mosche vorbei, guckten uns auf den Hof die männliche und weibliche Gebetsseite an aber auf Fotos verzichtete ich aus Respektsgründen eher. Danach schlenderten wir in die „Neustadt“, die halt wie typischer Ostschick aussieht…. nix besonderes aber immerhin hingen hier Schirmchen.

Von dem langen Fußmarsch erholten wir uns bei dem nächsten Kaffee, gingen durch 2 Markthallen sowie durch eine orthodoxe Kirche… Ach, was interessant ist. 1991 lebten hier nur circa 50% Moslems, 30 % Serben, 7% Kroaten und andere…. Im Krieg, 1993-1995 verließen die meisten Serben und Kroaten die Stadt so das in inzwischen 80% Moslems in Sarajewo leben…. Nach dem Krieg sind die verschiedenen Religionen so spinnefeind, dass z.B. auf Zigarettenschachteln die Warnungen in 3 verschiedenen Sprachen versehen sind. Die Unterschiede sind sehr gering, dass eine Sprache eigentlich reichen könnte aber scheinbar ist viel Platz auf den Zigarettenschachteln… Da wir nicht rauchen, haben wir uns dass selbst am Beispiel nicht angesehen. Die Ortsschilder z.B. sind immer auf kyrillisch und lateinisch.

Nun aber genug vom Thema abgekommen. Wir sahen uns noch die „ewige Flamme“ in Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges an. Auch hier stellen sich Touristen grinsend hinter die Flamme, um Fotos zu machen.

An einigen Stellen auf dem Fußboden, wurden symbolisch Einschläge von Granaten mit rotem Harz makiert, um daran zu erinnern, dass dort ein Mensch getötet wurde. Man nennt sie „rote Rosen“ weil die Form aussieht wie eine Rose. Touristen ließen diese Symbole allerdings unbeachtet und alles trampelte unbewusst drüber weg. Diese symbolische Geste erinnert mich ein bisschen an die Stolpersteine vor den Häusern in Deutschland, viele auch direkt in unserem Kiez in Berlin, mit den Namen der Juden, die im 2. Weltkrieg aus ihren Wohnungen rausgerissen wurden, um in den Konzentrationslagern „beseitigt“ zu werden. Nennt mich Melancholikerin aber immer wenn ich an solche Symbolen vorbeilaufe, denke ich an die unnütze und ungerechte Art und Weise, wie Menschen ihr Leben verloren. 

In manchen Häusern sieht man auch noch Einschusslöchern, die an den Krieg vor 25 Jahren erinnern. So ganz vergessen bleibt der Krieg in diesem Land bestimmt nicht.

Nun gönnten wir uns noch einen frisch gepressten Granatapfelsaft von dieser interessanten Maschine. Das ergab einen puren leckeren sowie saueren Granatapfelsaft für uns 2.

An diese Symbolik gingen wir auch vorbei, wobei wir die nicht richtig verstanden haben.

Hier seht ihr auch das Rathaus von Sarajewo:

Nun wurde es Zeit für eine kleine Rast im Hotel. Hier lauschten wir den Muezzin unserer Moschee gegenüber, der die Muslime zum Gebet aufrief. Das Mittagsgebet scheint besonders wichtig zu sein, da er mehrere Minuten um den Turm rumgelaufen ist und in jede Richtung seine Gesänge neu anstimmte. Obwohl wir einen Gebetsteppig in unserem Zimmer gefunden haben, ließen wir unkirchlichen Wesen diesem im Schrank und ich filmte den Gesang ein bisschen 😉 Es regnete noch leicht, doch als er vorbeizog, brachen wir wieder auf.

Wir gingen zur Seilbahn, die auch im Krieg zerstört wurde und erst im April 2018 wiedereröffnet wurde, da der Wiederaufbau und besonders die Sicherung des Gebietes im Hinblick auf heruntergeworfenen Mienen so lange dauerte. In weniger als 10 min liefen wir zur Seilbahnstation und stiegen in eine Gondel und fuhren nach oben.

 

Oben angekommen hat man hier die Sicht auf die ganze Stadt:

1984 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt und so findet man hier oben noch Reste einer alten Bobbahn. Sehr interessant aber auch steil war das für uns 😉

Ohne Bob und doch kam sie als allererste ins Ziel – Applaus an Uli!

Die freche Uli hat mich heimlich fotografiert, als ich das Foto oben drüber schoss. Heimtückisch von hinten aber so seht ihr den ganzen Körpereinsatz für interessante Bilder 😉

Die Gegend hatte richtig Potential länger von uns angeschaut zu werden aber erstens wurde die Bobbahn zu steil für unsere lahmen Beinchen und zweitens war das Wetter hier zu dem Zeitpunkt nicht ganz so beständig.

Langsam aber sicher, gingen wir zur Seilbahn zurück und genossen die Fahrt nach unten. Das war eine schöne Fahrt mit richtig netter Sicht. Und schon waren wir wieder unten und liefen runter in die Altstadt.

Ich glaube wir tranken dann Kaffee Nummer 4 und aßen irgendwann zu Abend. Morgen geht es schon wieder raus nach Kroatien, wo die Plitwitzer Seen auf uns warten. Wir wollen noch einen Zwischenstopp in Jaice machen. Das ist eine kleine Stadt mit beachtlichen Wasserfall vor diesem Städtchen. Ich hoffe inständig, dass dieser Ort nicht auch schon so dermaßen von Touristen überlaufen sein wird. Wir werden morgen sicherlich 6h nur reines Fahren auf dem Plan haben. Dieses Städtchen schauen wir uns aber natürlich trotzdem an!

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