Rehawochenende Nummer 3

Der Rehakoller – wer den nicht hatte, war nie bei der Reha! 😀

Neben den Anwendungen war ich mit Mit-Patientinnen Essen und hab mich nicht lumpen lassen Spielchen zu spielen. Es hustet immer noch alles und/oder läuft mit Mundschutz rum bzw. ein paar Menschen sind noch unter Quarantäne. Ich hoffe, ich komme die letzten Tage noch ohne diese Spezialsondierung durch! Am Freitag plante ich nach der letzten Anwendung in das Dorf zu marschieren, um einen guten italienischen Kaffee zu genießen, aber während dieser Anwendung wurde der Regen zu Schnee. Vorher hörte ich schon, dass es in Halle irre schneite und so sah ich meinen einzigen Besuch während der Reha schon davonschneien. Der Plan war ursprünglich, dass die Berliner Freitag nach Halle fahren, um am Samstag zu mir zu kommen.

Aufgrund der Witterungsbedingungen entschieden sich Gundelmutti und Schwester U am Samstag dann direkt aus Berlin anzureisen. Sie brachten leider die Kälte und graues Wetter mit aber war schön, dass sie da waren. So fuhren wir in die Kreisstadt Eschwege aber an einem Samstag schließen dort die Geschäfte bereits 14 bzw. 15 Uhr. Auch wenn 15 Uhr an den Geschäften dran steht, wurde 14:15 Uhr der Laden bereits geschlossen. Wobei das Städtchen mit seinen Fachwerkhäuschen sehr schön aussieht, ist um diese Zeit einfach kaum mehr was los. Das ist ein bisschen schwer zu verstehen als Großstädter aber ich bin hier auch nicht zum shoppen. So kehrten wir bei einem Griechen ein und so war nach ein paar gebratenen Auberginen und als Krönung einen griechischen Mokka war die Welt für alle wieder in Ordnung. Ständig wurde über die Sprache der Kellnerin gerätselt  aber ich kann Griechisch einfach nicht raushören, weswegen ich mir meinen Senf dazu ersparte. Am Ende war es tatsächlich Griechisch und kein Polnisch 😀 Aufgrund der Wirtschaftskrise in Griechenland, kam die sehr nette junge Kellnerin mit 17 Jahren nach Deutschland, die nun schon ein paar Jahre hier verweilt und ihre Heimat natürlich trotzdem vermisst. Sie gab uns ein paar Urlaubstipps für Griechenland und entließ uns dann mit Handschlag zurück in die Kälte, da auch die Restaurants in Eschwege 14:30 Uhr schließen. Es war gefühlte -10 Grad und immer noch so grau, so dass wir nach ein paar Fehlversuchen entschlossen zurück nach Bad Sooden zu fahren, damit die Damen einchecken können, denn das ist noch von 14 bis 16 Uhr möglich. Da der Hausherr der Pension so unsympathisch war und das ganze Haus nach Waffeln roch, verließen wir die Stinkebude ziemlich schnell. Der Ausblick aus dem Zimmer war aber reizend. Nun zeigte ich die kleine süße Stadt Bad Sooden, die aufgrund der Kälte menschenleer war. Selbst die Bäumchen frieren:

Nach einer Kaffeerunde, beschlossen wir nun in die Therme zu gehen, weil man es draußen einfach nicht lange auszuhalten war. Das tat gut aber wie auch hier, konnte das Etablissement nicht mit bereits erlebten Thermen mithalten. Das weiß man allerdings spätestens wenn man einmal hier war. Es geht auch nicht immer, um das Größte, Schönste und Beste, so lernt man wieder mit den Basics auszukommen, die zweifelsohne auch vollkommen ausreichen. Mir ist es nicht neu aber es ist immer wieder schlimm anzusehen, wie verwöhnt wir (besonders auch ich) sind.

Die restliche Zeit des Tages stießen wir mit aus Versehen alkoholfreien Prosecco an und quatschten noch, bevor ich die 3 min weiter nach oben in die Klinik abzwitscherte. Nachdem Frühstück fuhren die beiden Damen schon wieder los. Die an sich geplanten Wintersachen, die ich wieder mit nach Hause gegen wollte, blieben die letzte volle Woche nun doch hier. Die brauchte ich, um mittags mit einem Bus auf die höchste Erhebung Nordhessens den Berg „Hoher Meissner“ zu fahren. Hier bietet ein Busunternehmen für die 6 Rehakliniken regelmäßig Fahrten an. Diese Halbtagestour beschloss ich mitzumachen, da ich keinen Autofahrer hier in der Klinik kennenlernte. Der Busfahrer war ein sympathischer kluger Rentner aus dem Eichsfeld, der uns mit seinen vielseitigen Informationen über fast jedes Haus, welches wir auf Fahrt auf den Hohen Meissner passierten, die Zeit versüßte. Die längere Fahrt, resultierte allerdings in weniger Zeit auf dem Hohen Meissner. Hier lag eine Menge Schnee und der Wind piff uns bis in alle menschlichen Öffnungen. So liefen die Menschen bzw. tapselte ich und eine andere Frau, die HMSN hat, ein bisschen den Panoramaspaziergang entlang. 

Die andere HMSN-Patienten beschloss als erstes umzukehren und als ein wenig später 2 andere der Gruppe zurückgingen, schloss ich mich dann denen doch an. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich da auch weitergelaufen aber ich wollte mir den Zeitdruck nicht geben. Hier eilt ja alles nicht, wenn ich eh regelmäßig hier in diese Gegend kommen muss/darf, um mich zu regenerieren. Auf dem Weg zurück stand die erste Umkehrerin noch an dem Ort, wo so umkehrte und hatte keine Kraft weiterzugehen. Helfen wollte sie sich nicht lassen und so zogen wir weiter in die Berghütte. In der Berghütte fiel mir erst ein, dass ich extra für den Notfall Wanderstöcke mitnahm und so ging eine Patientin mit den Stöckern zurück zur kraftlosen HMSN-Patientin. Es war für mich interessant zu beobachten wie jemand anders reagiert wenn die Kraft ausbleibt bzw. merkte ich, dass ich dann wohl ganz gut beisammen bin, wobei ich mich daran nicht aufhängen mag. Hilfe annehmen kann wohl keiner so gut. Der Spaziergang war richtig schön und auch wenn es doof klingt, war das Erleben wie jemand anderes, der meiner Erkrankung hat (ausgenommen Schwester Uli), mit solchen Situationen umgeht, eine Bereicherung für mich. Merkzeichen für mich: weiter so und nicht zu stolz sein Hilfe anzunehmen bzw. nach Hilfe direkt zu fragen. Man fühlt sich zuerst wie ein kleines Mäuschen wenn die Masse schon locker 100m easy peasy vor einem schlendert während man erstmal klarkommen muss mit seinen Beinchen auf Schnee aber andererseits ist die Situation nun mal so wie sie ist. Da ich kein Red Bull trinke, werden mir keine Flügel wachsen und so muss man halt ein Abkommen mit den Mitläufern finden. Alleine laufen, wie ich es gerne hätte, ist allerdings keine Option. Es findet sich dann schon immer einer, der neben einem läuft und sich dann für seine Schwäche zu schämen ist auch nicht das Gelbe vom Ei aber so typisch! Dazu braucht man eine Extra Portion Selbstbewusstsein, die ich mir zum Glück Jahr für Jahr mehr antrainiere. So verblasst dieses minderwertige Gefühl bei mir recht schnell bzw. ist einfach auch tagesformabhängig. Das ist wirklich ein schwieriges Unterfangen.

So kamen wir dann in einer kleinen Hütte mit ganz netter Aussicht an, wo wir ein Stündchen verweilten:

Anschließend ging es über Örtchen wie Germrode und Eschwege wieder zurück zum Ausgangspunkt. 

So verging dieses Wochenende richtig schnell und die Anwendungswoche kann morgen starten. Für mich ist es die letzte vollständige Woche bevor ich übernächsten Dienstag wieder nach Berlin abreise. 

One thought on “Rehawochenende Nummer 3”

  1. So wünschen wir Dir nach diesem winterlichen Familienwochenende nun eine gute neue und auch letzte Kurwoche, die hoffentlich auch wieder einige Genuss-Momente für Dich mit sich bringt – und wenn es sie nur gibt für Menschen wie Dich, die mit einer gehörigen Portion Humor, Gelassenheit und Geduld ausgestattet sind. Habe herzlichen Dank für Deine Berichte, die uns etwas miterleben lassen von Deiner Kurzeit. Und nun: herzliche Grüße aus dem bitterkalten aber sonnenscheinreichen Hohen Neuendorf – Deine Angelika und Jakob.

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