Rehabilder

Das letzte Wochenende in der Reha ist angebrochen! Ich freue mich über die meisten Dinge zu Hause sowie auch viele Bilder hier nicht mehr tagtäglich vorgesetzt zu bekommen. Abgesehen von dem alten Gebäude, welches nach Desinfektionsmittel stinkt, ein riesengroßer Speisesaal, welcher lauter als eine Bahnhofshalle ist, völlig indiskutables Mittagessen und manch komischer Verhalten einiger Ärzte, sind die emotional berührtesten Bilder die menschlichen Schicksale um mich herum. So viele junge Rollstuhlfahrer, junge „entstellte“ Menschen, wo der Kopf schräg am Körper hängt oder Körperteile durch wenig oder teils keiner Kraft, nicht mehr das machen, was sie sollen, oder junge Menschen, die gerade versuchen mit neuen Hilfsmitteln das Umgehen zu erlernen. Diese Art von Patienten sind die tapferen Krieger. So kann es passieren, dass man am Speisesaal am Buffet so ansteht:

Währenddessen gibt es Menschen, die ein Leben lang gesund waren und jetzt dieses Elend sehen und neben ihren neuen Leiden völlig irritiert sind und mitunter richtig nervig dadurch sind. Meine erste Reha an diesem Ort war für mich auch sehr schwierig durch diese vielen neuen Bilder allerdings bin ich ein Mensch, der so etwas mit sich selbst ausmacht. Neben dem schockiert sein, darf man nicht vergessen von diesen Menschen auch zu lernen, denn wenn sie damit leben müssen, dann sollten es doch die Mitmenschen auch hinbekommen, oder? In Reha 2 und 3 war ich oft damit beschäftigt andere Menschen zu beruhigen, die sich auch schon im Rollstuhl sahen, obwohl keinerlei Grund zur Sorge bestand. Dabei hatte ich auch ein ungutes Gefühl den betroffenen Menschen gegenüber, über den die orthopädische oder andere neurologische Patienten so schockiert waren. Bei Reha 4 habe ich mir vorgenommen, diese Arbeit andere Menschen zu beruhigen zu minimieren. Es hat ganz gut geklappt aber ganz ohne kam ich nicht aus. 

Es fühlt sich unfair an zu sagen, dass man im Gegensatz einer großen Zahl schwerer betroffenen Patienten, Glück hatte und sein Leben mehr wertschätzen sollte. Man könnte sich natürlich auch mit den viel mehr gesunden Menschen vergleichen und jammern, warum man denn so ein Pech hatte! Vergleichen ist einfach der falsche Weg! Wichtig ist es ein Weg zu finden, sein persönliches Schicksal anzunehmen und sich dennoch ein schönes Leben zu machen. Ich habe mir meine Erkrankung seit ein paar Jahren schon als Lebensaufgabe gemacht. Man kann auch mit anderen Menschen, wo man weiß, dass das Leben nicht mehr so lang geht, Mitgefühl entwickeln ohne sich mit ihnen zu vergleichen. Vergleichen lähmt ganz einfach! Abgesehen davon bricht es einem das Herz, Menschen vor sich zu haben, die in kurzer Zeit fast alle Fähigkeiten verlieren werden und z.B. wegen einer Krankheit wie ALS schrecklich verenden werden. 

Der positive Teil ist, dass sich die Forschung seit circa 5 Jahren auf solche seltenen bösen Erkrankungen gestürzt hat. So waren die Studien bei meiner letzten Reha noch an einer Hand abzählbar und nun verliert der Chefarzt schon die Übersicht-  So unrealistisch ist es nicht mehr, dass Medikamente auf den Markt kommen, die solche Erkrankungen stoppen oder aufhalten können. Es dauert noch ein paar Jahre aber so langsam kommt die Pharmaindustrie auch auf dem Geschmack. Für meine Erkrankung sieht es derzeit für eine große Untergruppe so aus, dass bald ein Medikament auf dem Markt gebracht werden könnte, je nachdem die Phase 3 Studie ausgehen wird. Da ich genetisch nicht typisiert bin, nützt es mir erstmal nichts aber der Chefarzt dieser Klinik sagte gestern zu mir, dass sich für mich sicherlich auch noch was finden wird bzw. man durchaus auch Nutznieser durch die Forschungen anderer neuromuskulärer Erkankungen sein kann. Ich persönlich habe mich aber auch so drauf eingestellt, dass ich auch ohne Medikament, ein gutes erfülltes Leben führen werde und falls da in 10-15 Jahren mal was kommt, dann immer her damit 😉 Generell darf man die Hoffnung bei allen Dingen nie aufgeben.

Gerade habe ich meine letzte Anwendung im Wasser hinter mich gebracht und schaue auf einen prall gefüllten Plan am Montag. Hier wurden quasi 2 Tage in einem gequetscht.

Ich habe versucht in der letzten Woche ein paar Bilder von der Einrichtung zu machen, wo man keine Menschen drauf sieht, um Euch einen kleinen Eindruck auf die Räumlichkeiten zu bieten. 

die große Turnhalle
ein kleiner Blick des Aufenthaltsraumes, welchen ich versuchte zu vermeiden

 

hier gibts Moor-und Fangopackungen – man braucht schon viel Fantasie, um es sich hier gemütlich zu machen.
der Massagebereich
ein Flur des Massage-und Fangobereiches… es ähnelt schon einer Pathologie

 

 

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