Reha! – Der Weg vom lahmenden Gaul zum Rennpferd?

In ein paar Tagen ist es nach 4 Jahren wieder so weit. Ich fahre zur Reha nach Bad Sooden-Allendorf.

Dieses Mal hat der Entschluss diese Rehamaßnahme zu beantragen ultralange gedauert. Selbst beim Besuch meiner Mutter bei Ihrer Reha an der Ostsee konnte ich mir das für mich partout in nächster Zeit nicht vorstellen. Letztendlich stand mein Entschluss auf einmal im Juni letzten Jahres quasi über Nacht fest, nachdem einer Kollegin von mir unerwartet aus nicht nachvollziehbaren Gründen gekündigt wurde. Hierbei handelte es sich um eine Person, die sich übermäßig für ihre stets grandiose Arbeit aufopferte und mir ein wichtiger Mustermensch im Arbeitsleben war, auf welchem man nur sehr selten trifft. Ich verstand das alles überhaupt nicht aber was ich verstand war, dass es mich auch hätte treffen können, denn meine Arbeitseinstellung war mindestens genau so übertrieben, nur eben eine Position unter ihr! So seh ich ab diesem Augenblick einige Dinge anders und realisierte unter anderem als Lehrstunde für mich, dass der wahre Grund bisher keinen Antrag eingereicht zu haben, derjenige war „meinen Arbeitgeber damit nicht zu oft zu belasten, denn er kann ja nichts dafür dass ich eine Behinderung habe“. Ist das ein Grund? Nein, wohl absolut nicht. Ich füllte den Antrag schnurstracks aus, überwand noch einige Stolpersteine, da die Reha erstmal abgelehnt wurde, bis nun alles geritzt ist. Bei der lieben Kollegin wendete sich die Situation zwar auf sehr skurriler Weise aber doch noch zu einem „Happy End“.

Klarer Lehrsatz aus dieser Erfahrung „Unterm Strich, zähl ich!“ Also nun auf zur Reha mit der Mission es mir in dieser Zeit zu gut wie möglich gehen zu lassen und weiter an meinen übertriebenen ehrgeizige Arbeits-sowie Lebenseinstellung zu basteln.

Hier geht es im Wesentlichen aber allererst darum das alte Gaul innerhalb von 4 Wochen wieder zum langsamen aber trabenden Rennpferd zu machen.  Da die Gegend meiner Klinik sehr ländlich liegt, kommt meine Kameraausrüstung selbstverständlich mit. Derzeit freue ich mich eher aufs fröhliche Knipsen in der Natur als auf den Rehaaufenthalt an sich. Es fühlt sich alles noch etwas unreell an.

Während ich im Alltag-und Arbeitsleben versuche so wenig wie möglich mit meinem schwerfälligen Gang aufzufallen, falle ich in diesen 4 Wochen eher damit auf, mich recht smooth fortzubewegen, da meine HMSN erstens zu den akzeptableren der neuromuskulären Erkrankungen gehört, ebenso die Form meiner Ausprägung nebst meinem Sturschädel glücklicherweise eher lebensmachbarer ist.  So kennzeichnet sich mein Leben allerdings schon immer – immer in wenig anders, aber immer am Rande mit dabei. „Die Kuh am Rande der Weide“ wie mein Stiefvater schon erkannte, wo er mich kein halbes Jahr kannte 😉

Neben dem Rehaalltag, werde ich mich, wahrscheinlich mit dem Fahrrad, durch das Umland schleichen und versuchen schöne Fotos von der Gegend in Nordhessen zu machen. Auch, wenn man sehr viel Leid bei so einem speziell für neuromuskulären Erkrankungen ausgerichteten Haus mitbekommt, steht für mich dieses Mal überwiegend die eigenen Regenerierung und das durch die Gegend fahren und laufen an oberster Stelle. Dazu werde ich auch endlich Zeit und Muße haben den Blog hier zu füllen. Es wird sicher mal nachdenkliche Töne geben, schöne Fotos und deren Entstehungsgeschichte sowie auch lustige Anekdoten, die in so einer Maßnahme in Hülle und Fülle auftreten.

Zum Thema „Brauche ich wirklich eine Reha?“ werde ich vorher relativ sicher vor der Anreise etwas schreiben. Am 27. Februar gehts los!

2 thoughts on “Reha! – Der Weg vom lahmenden Gaul zum Rennpferd?”

  1. Hi Bine,
    natürlich werde ich deinen Blog verfolgen. Nach wie vor bin ich ganz besonders an den kulinarischen Höhepunkten der Reise interessiert, von denen du sicherlich ganz viel berichten wirst! 😉
    Du wirst nach der Reha springen wie ein junges Fohlen und wirst mich sicherlich für eine ziemlich lange Zeit durch dein 4-wöchiges Trainingslager in allen Disziplinen schlagen.
    Von daher habe ich die zündende Idee: Du machst einfach Reha für mich mit! Was hältst du davon? 🙂
    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute für diese „Reise“.

    1. Hi Linn,
      kulinarische Höhepunkte, genau wehe da gibt es keine Bandnudeln im Parmesanrad geschwenkt mit gehobelten Wintertrüffel – Beschwerdezettel liegen schon bereit :p Aber nein, so schlimm wie in der USA wird es schon nicht werden.
      Deine anderen Vorschläge sind abgelehnt 😉 Positives Denken und Geduld sind die Devisen, mit denen wir gerade handeln.
      Liebe Grüße,
      Bine

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