Happy Birthday Opa!

Am 28.2. 1928 kam der kleine Franz in einem sachsen-anhaltinischen Dorf zu Welt. Na eigentlich war es schon der 29.2. aber, um dem kleinen Mann jedes Jahr seinen Geburtstag zu lassen, wurde die Uhr beim Ausfüllen der Geburtsurkunde noch kurz und knapp zurückgedreht und schon war es noch knapp der 28 Februar. Und so kommt es nun, dass mein lieber Opa heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Mein Opa ist ein außergewöhnlich großartiger Mensch, weswegen ich dem heutigen Blogeintrag nur ihm widmen möchte.

Er wuchs mit seinen Eltern und seinen 2 älteren Brüdern in einem Dorf in der Nähe von Halle/Saale auf. Seine Kindheit jedoch wurde vom dem 2. Weltkrieg überschattet. Franz war noch zu jung, um für den Kriegsdienst eingezogen zu werden. Während seine zwei Brüder in den Krieg ziehen mussten, blieb er zu Hause in Deutschland. So ging Franz erst in seinem Heimatdorf zur Schule und später, weil er ein wissbegieriger fleißiger Junge war, in Halle zur weiterführenden Schule. Mit dem Gutsbesitzersohn fuhr er nun jeden Tag nach Halle und wieder zurück. In dieser Zeit traf er auch ein junges Mädchen, die seinen besten Freund regelmäßig besuchte. Das junge Mädchen begleitet ihn übrigens bis heute noch als Ehefrau. 68 Jahre sind sie inzwischen verheiratet.

1944, im Alter vom 16 Jahren wurde er bis Ende des Krieges, April 1945 zum Volkssturm eingezogen. Nach Kriegsende geschahen nun aber prägende Ereignisse. Eines Abends mistete er den Stall aus, als ihn von einem amerikanischen Panzer Kugelteile in sein Rücken trafen. Weil er so jung war wurde er im amerikanischen Lazarett behandelt. Zunächst galt die Sache als inoperabel. Er hatte fortan soviel Schmerzen, dass er fast wahnsinnig wurde. Trotz der schrecklichen Schmerzen begann er 1946 sein Lehrerstudium. Aufgrund eines Ärztefehlers verlor er zudem seinen Vater im Jahre 1947, einer seiner Brüder starb im Kriegseinsatz, der andere kam wieder zurück.

Da er seine Schmerzen kaum aushalten konnte, vermittelte ihm sein späterer Schwiegervater im Februar 1948 an einen Arzt, der ihn mit der Chance 50:50 operiert hat. Viele Splitter konnten mithilfe Magneten aus dem Körper geholt werden. Die OP glückte soweit. Er brachte sein Studium zu Ende und trat seinen ersten Posten als Lehrer an. Nach einem halben Jahr ging der Schulleiter dieser Schule in den Westen Deutschlands. So kam es, dass der junge Franz mit 22 Jahren Schulleiter dieser Schule wurde. Kurze Zeit später wechselte er wieder die Schulen und innerhalb 3 Jahren bekamen er und seine Frau Christa drei Kinder.  Zu dieser Zeit rief ihn aber auch die Kariere in Berlin, weswegen er zunächst seine Kinder nur am Wochenende sah. 1954 gelang es ihm nun endlich eine Schule in Halle zu übernehmen und konnte nun seine Kinder aufwachsen sehen. Allerdings blieb seine Gesundheit immer wieder ein Sorgenkind. Anfang der 60er erlitt er einen Herzinfarkt und fortan stiegen seine täglichen Medikamente bis heute in eine beachtlichen Höhe an.

Die Karriereleiter bestieg er nun weiterhin, er leitete viele Jahre eine Kindergärtnerinschule und wurde Professor an der Pädagogischen Hochschule in Halle.

Trotz der vielen Verluste, der gesundheitlichen Einschränkungen und der wenig guten Bedingungen am Anfang seines Lebens, hat sich mein Opa immer mit stolzer Brust durch das Leben bewegt. Er war immer positiv und hat nie viel gejammert obwohl er seit gefühlten 100 Jahren Morphium wegen seiner Schmerzen einnimmt. Er reiste sehr gerne und war als liebevoller witziger und kluger Mensch mit besonderen Charme immer beliebt. Um seine Frau, Kinder, Enkelkinder sowie Urenkel kümmert er sich bis heute liebevoll und ehrenhaft. Er ist mein Vorbild! Durch sein Vorleben konnte ich mich auch zu einem starken Mensch entwickeln, der Anderen sein Glück gönnen kann, welches mir z.B  durch meinen Einschränkungen immer vergönnt bleiben wird. Auch den Antrieb, Dinge zu tun, die mir nicht leicht fallen bzw. wo Menschen mir sagen, ich könne es nicht schaffen, sind ein Ansporn für mich sie gerade trotzdem zu schaffen! Ich fand durch Opa meinen eigenen Weg, weil er diese Disziplin neben einer immerwährenden Gutherzigkeit so stark vorlebte ohne ein einziges Mal belehren zu wollen. So hatte ich immer ein gutes Lebensbeispiel an welches ich mich seit ich denken kann, halten kann.

Mit 90 Jahren arbeitet mein Opa immer noch kriechend in seinem Garten weil er Gartenarbeit abgöttisch liebt. Dabei ist es ihm egal, ob er 16 Uhr völlig erledigt schlafend im Sessel hängt und am nächsten Tag gar nicht mehr laufen kann, es zählt der Moment im Garten. All seine Kinder und Enkel raten ihn bei jeder Gelegenheit davon ab, aber ich kann es nicht tun, weil ich es so wie er machen würde.

Das ist mein Opa! Hoch soll er leben! Heute ist sein Tag!

3 thoughts on “Happy Birthday Opa!”

  1. Liebe Sabine, ich habe der kleinen Geburtstagsgesellschaft deine Zeilen vorgelesen.
    Alle sind tief beeindruckt und dies im doppelten Sinne. Einmal , weil du dich so für das Leben deines Opas interessierst, ihn so wertschätzt und zum anderen welche Worte du dafür findest.
    Deine Worte sind Anlass für weitere Gespräche.
    Vielen Dank
    Deine Gundelmutti

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.