Der verhaltene Start

Bei eisiger Kälte machte ich mich nun heute auf den Weg nach Bad Sooden-Allendorf. Die gute Nachricht ist, ich bin nicht erfroren… der Start in der Klinik begann erstmal nicht so überwältigend. Die Krankenschwestern wurden scheinbar so reduziert, dass sie keine Übersicht mehr haben (auf 2 Etagen gleichzeitig rumtanzen müssen) und Freundlichkeit verlernt haben. Zeit zum Rauchen fanden sie allerdings doch 😉 In meinem Zimmer befand sich plötzlich noch ein fremder Mann, so dass ich einige Zeit vor mich hin wartete bis die Situation geklärt war. Die Aufnahmeuntersuchung mit der Ärztin lief recht gechillt und angenehm, aber auch hier sagte sie mir direkt, dass ich nächste Woche eine andere Ärztin bekommen werde, weil sie die Abteilung wechseln wird. Guti, ich benötige weder Schwestern noch Ärzte aber hui…. der Misstand ist erkennbar.

Das Mittagessen (bäh ;-)) nahm ich noch an einem Katzentisch ein, wobei der besser war, als der mich am Abend erwartete. Es läuft einfach noch nicht so ganz rund. Momentan habe ich das Glück an einem Tisch mit Russen zu sitzen, denen gar nicht einfällt ein Wort Deutsch zu sprechen. Da die Klinik vollstens besetzt ist, werden ab Donnerstag erst Plätze an anderen Tischen frei. Bis dahin lerne ich vielleicht noch russisch aber die freundliche Mitarbeiterin im Speisesaal wird mir einen entzückenden anderen Tisch zuweisen versprach sie mir  😉 Der Ansporn mich besser unterzubringen war in ihren Augen deutlich erkennbar.

Bei -10 Grad lief ich heute schonmal in den Ortskern, um den Fachwerkhäuschen „Guten Tag“ zu sagen sowie Seife im kleinen Tante Emma-Laden käuflich zu erwerben. Hier ein kleiner Appetithappen vom Ortskern.

Nachdem ich mir bei Ankunft im Kopf schon eine Liste mit Dingen überlegte, die ich heute dringend noch erledigen musste, fiel mir doch wieder ein, dass ich nun 4 Wochen Zeit habe. Also ist nun erstmal langsames Ankommen angesagt. So mache ich es mit Euch in Bezug auf die Fotos auch. Heute gebe ich Euch eine kleine Impression des Ortskernes und den Blick vom Mitarbeiterparkplatzes auf das Tal:

Der erste Eindruck des Durchschnittsalters liegt bei 60 Jahren. Heute war zufällig eine HMSN Gesprächsgruppe (jeden Dienstag) und wo da beim letzten Mal noch ähnlich junge Menschen wie ich untergemischt waren, beginnt dieses Mal das jüngste Alter nach mir bei 55 Jahren. Ganz entzückt war ich dennoch als mein Alter für Mitte 20 geschätzt wurde. Sind das nicht nette Leute? 😉 Es waren ohne mich 8 weitere Menschen da und bei jedem verläuft diese Krankheit typischer Weise ganz individuell. Ich sah den Mitmenschen zu gesund aus, weswegen ich kritische Fragen beantworten musste. „Was Du hast keinen genetischen Befund?“ „Was, du läufst ja schnell und hast normale Schuhe an?“ „Wieso hast Du Schmerzen und ich nicht?“ „Aber wieso gehst Du besser?“ „Hää?“ Der Großteil ist mit seinen 60 Jahren plus (die älteste ist 77 Jahre) zum ersten Mal bei einer Reha, drum sind diese Reaktionen mit einem gewissen Verständnis einfach hinzunehmen. Wahnsinn wie direkt alles verglichen wird. So sind die Menschen eben!

Begeisterung klingt natürlich anders aber ab morgen erhalte ich den Anwendungsplan für den Rest der Woche und dann kieken wir mal weiter wie ich mir das Leben hier versüßen kann. Die lustigen Anekdoten folgen sicher in Kürze.

Hier lerne ich wieder Lichtschalter zu bedienen, weil es hier keine Alexas auf den Zimmern gibt. Wie old-fashioned bei dem jungen Publikum 😉 Back to the roots!

 

One thought on “Der verhaltene Start”

  1. Ach Bine, das hört sich doch nach einem ganz bezauberndem Start in wunderbarer Gesellschaft an. 😉
    Und genieße die Komplimente für dein jugendliches Aussehen – so was bekommt man nicht alle Tage „serviert“!
    Ich hoffe, du hast heute einen guten und inspirierenden Tag. Ich bin gespannt, wie weit du mit deinem Sprachkurs kommst (aber lass den ja nicht extra berechnen, das lehnt die Kasse bestimmt ab!)
    Liebe Grüße aus dem eisigen Berlin von Linn

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